Die Geschichte der Unterweißbacher Werkstätten
für Porzellankunst beginnt im Jahre 1882. Zunächst produzierte man
Teller und Küchengeschirr mit dem bekannten Strohblumenmuster. Mit der
Heranbildung eines erfahrenen Facharbeiterstammes verbesserte sich die Qualität
der Produkte von Jahr zu Jahr. Man begann das Sortiment auszuweiten.
Im Jahre 1890 erstand Rudolf Mann die Farbrik. Fritz Porzelius wurde zwei
Jahre später Teilhaber des Unternehmens.
Die Porzellanfabrik Unterweißbach Mann und Porzelius. Innerhalb kurzer
Zeit gelangte die Firma zu wirtschaftlicher Blüte und im Jahre 1899 wurde
die Porzellanfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
1908 brachte Max Adolf Pfeiffer die "Schwarzburger Werkstätten für
Porzellankunst" zu dem Unterweißbacher Unternehmen.
Als Mitglied des "Deutschen Werkbundes" vertritt er die These einer
ästhetischen Modernisierung handwerklicher und industrieeller Produktion,
in dem er Künstler und Herstellerbetriebe zusammenschloß. Ein Jahr
später verwirklichte Max Adolf Pfeiffer das Projekt als einen Teil der
Reformbestrebungen der bildenden und angewandten Kunst dieses Jahrhunderts.
Getreu der Devise, "dass jede Kunst Eigenes aus ihrer Zeit schaffen müsse",
kam es zur Zusammenarbeit mit den namhaftesten Künstlern ihrer Zeit.
Ernst Barlach war ebenso unter ihnen, wie Max Esser, Paul Scheurich, Gerhard
Marcks oder Etha Richter.
Die Unterweißbacher Werkstätten wurden für ihre Erzeugnisse
mehrfach ausgezeichnet. Nach dem Konkurs des Unternehmens als Folge der Weltwirtschaftskrise
im Jahre 1930 wurde das Unternehmen zunächst von Karl Saar aufgekauft,
1940 ging es in den Besitz von Heinz Schaubach über. 1953 wurde der Betrieb
volkseigen. Die Beschäftigtenzahl blieb während dieser Zeit bis
heute relativ konstant. In den 70er Jahren erfolgte der Zusammenschluß
Thüringer Porzellanmanufakturen im VEB Vereinigte Zierporzellanwerke
Lichte. Dies ermöglichte dem Unterweißbacher Betrieb eine stärkere
Profilierung. Man blieb der Tradition treu. Man spezialisierte sich auf Prunkkutschen
und Personengruppen, die die Szenen des "Grand Siecle" anmutig und
detailgetreu zeigen. Durch den meisterlichen Umgang mit Spitze und Tüll
wird man auch der Mode vergangener Zeiten gerecht. Auch die Themen Jagd und
Jahreszeiten gehören neben vielerlei galanten und volkstümliche
Motiven zum einzigartigen Reportoire der Unterweißbacher Werkstätten
für Porzellankunst. Ausgezeichnete Arbeit prägt das Schaffen der
Unterweißbacher Manufaktur. Kurt Steiner, der früher an der renommierten
Zeichenschule in Lichte unterrichtete, schuf Schachfiguren, Musiker und Harlekingruppen.
Gustav Oppel bereicherte mit seinen Modellen das Sortiment genauso wie Heinz
Schober der das Thema Jagd auf künstlerisch bedeutsame Weise interpretierte.
Im Jahre 1990 nach der Wende erfolgte die Übernahme durch die 1794 gegründete
"Königlich privilegierte Porzellanfabrik Tettau", eine hundertprozentige
Tochter der Unternehmensgruppe Seltmann Weiden. Alle Mitarbeiter, vom Modelleur
über die Former, Maler, Spitzengarniererinnen bis zu den Brennern bekennen
sich in der Devise zu schaffen "in ehrlicher Arbeit, hervorgegangen aus
der Freude an dem schönen Werkstoff... aus Freude am Porzellan".