Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand neben der qualitativ auch die quantitativ
leistungsfähige Porzellanindustrie. Damit gelangten die Produkte der keramischen
Industrie in den Bereich des Massenkonsums, war doch das letztere die Vorbedingung
der Großindustrie.
Die Porzellanindustrie wurde auf eine fundierte Grundlage gestellt, denn das
so vielseitig verwendbare Material verlor seinen bisherigen Charakter als reines
Luxusgut. Nicht mehr der Kunstkeramiker sondern der Designer, der in den Maßstäben
der Massenproduktion dachte, entwarf das Porzellan:
Eine zeitgemäße Form für Jung und Alt, in jedem Wohnraum verwendbar,
dabei gebrauchstüchtig, die zugleich mehr als den Wert des Materials (und
Kaufpreises) widerspiegelte und in der Herstellung "nichts kosten durfte".
Der Entwurf ist nicht mehr alleine von der Schönheit, sondern unmittelbar
von den Fertigungsmöglichkeiten der Anlagen abhängig. "Künstlerische
Elemente müssen produzierbar sein". Zur Jahrhundertmitte entwickelte
sich eine Hausindustrie in der Porzellanmalerei. Solche Porzellanmaler beschäftigten
sich sowohl mit dem Dekorieren billigen Stapelgeschirres als auch mit dem Bemalen
hochwertigen Luxusporzellans.
Sie arbeiteten entweder in dem Fabrikgebäude selbst oder in ihren Wohnungen.
Das bemalte Porzellan wurde entweder an die Fabriken oder an die Porzellanhändler
verkauft. Solche selbständigen Betriebe wurden nicht nur als freie Gewerbetätigkeit
betrachtet, sondern da sie ein Teil der Porzellanfertigung darstellten, wurden
sie in den Statistiken (falls nicht gesondert ausgewiesen) als Porzellanfabriken
erfasst.
Die Anzahl der Beschäftigten in solchen Betrieben waren aber gegenüber
den Porzellanmalern in der Fabrik verschwindend gering.